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Zwischen Hype und Realität: Influencer Marketing

  • Autorenbild: Christopher Feindor
    Christopher Feindor
  • 13. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Influencer Marketing hat sich in den vergangenen Jahren von einer Nische zu einem festen Bestandteil moderner Kommunikationsstrategien entwickelt. Immer mehr Marken setzen auf Social-Media-Persönlichkeiten, um Produkte oder Botschaften authentisch in ihre Zielgruppe zu tragen. Doch wo Chancen sind, lauern auch Herausforderungen. Zeit, das Thema differenziert zu betrachten.

Was ist Influencer Marketing eigentlich – und warum ist es so erfolgreich? 

Beim Influencer Marketing nutzen Unternehmen die Reichweite und das Vertrauen von Personen mit starker Präsenz in sozialen Netzwerken – sogenannte Influencer:innen –, um ihre Produkte oder Dienstleistungen zu bewerben. Der Erfolg beruht auf der Nähe, die diese Persönlichkeiten zu ihrer Community pflegen. Empfehlungen von ihnen wirken oft glaubwürdiger als klassische Werbebotschaften. 

 

Gerade in jüngeren Zielgruppen, die kaum noch über klassische Medien erreicht werden können, sind Influencer:innen ein effektives Vehikel. Sie liefern Content, der unterhält, informiert oder inspiriert – und der oft mitten aus dem Leben ihrer Follower:innen stammt. 

 

Vorteile von Influencer Marketing 

Authentizität & Vertrauen: Die größte Stärke liegt im Vertrauensvorschuss, den Influencer:innen bei ihrer Community genießen. Empfehlungen wirken nicht wie plumpe Werbung, sondern wie ehrliche Tipps. 

Zielgruppengenauigkeit: Über die richtige Auswahl von Influencer:innen lassen sich spezifische Zielgruppen mit hoher Genauigkeit erreichen – vom Fitness-Enthusiasten über nachhaltige Fashionistas bis zum B2B-Tech-Blogger. 

Content mit Mehrwert: Viele Influencer:innen produzieren hochwertigen, kreativen Content, der sich positiv auf das Markenimage auswirkt – und oft günstiger ist als eine professionelle Produktion. 

Skalierbarkeit & Flexibilität: Influencer-Kampagnen lassen sich gut skalieren – von Micro-Influencer:innen mit wenigen Tausend Follower:innen bis zu Stars mit Millionenreichweite. Das ermöglicht Budgeteffizienz und Testmöglichkeiten. 

 

ABER: Nicht alles, was glänzt, ist Gold – Herausforderungen 

Glaubwürdigkeitsverlust durch Überkommerzialisierung: Viele Social-Media-Accounts gleichen inzwischen Werbeplattformen. Die Folge: sinkende Engagement-Raten, weniger Vertrauen und eine zunehmend kritische Community. 

Fake-Follower:innen & fehlende Transparenz: Nicht selten kaufen Influencer:innen Reichweite oder Engagement. Auch Bots und gefälschte Interaktionen verzerren die Wirkung. Eine sorgfältige Prüfung der Kennzahlen ist unerlässlich. 

 

 

Rechtliche Stolpersteine: Kennzeichnungspflicht, Vertragsklarheit, Bildrechte – wer mit Influencer:innen arbeitet, bewegt sich schnell in einem juristischen Graubereich, wenn er nicht sauber agiert. 

Shitstorm-Gefahr: Influencer: innen sind öffentliche Persönlichkeiten – Fehltritte, Skandale, fragwürdige Aussagen oder nicht-authentische Kooperationen können schnell Kritik auslösen und auch auf die Marke zurückfallen. 

Mangelnde Markenpassung: Nicht jede:r Influencer:in passt zu jeder Marke. Kampagnen wirken schnell gezwungen oder unauthentisch, wenn Werte und Tonalität nicht übereinstimmen. 

Worauf man achten sollte – Empfehlungen für die Praxis 

Influencer:innen sorgfältig auswählen: Nicht die größte Reichweite zählt – sondern der richtige Fit zur Marke. Achten Sie auf Zielgruppenüberschneidung, thematische Relevanz, Tonalität und Werte. Der/Die Influencer:in sollte Inhalte produzieren, die zur Markenidentität passen – visuell wie inhaltlich.  Tools zur Analyse von Engagement, Community-Struktur und bisherigem Kooperationsverhalten helfen, passende Partner:innen zu identifizieren. Ein gutes Matching erhöht nicht nur die Glaubwürdigkeit, sondern auch die Wirkung der Kampagne. 

KPIs klar definieren – und sinnvoll auswählen: Geht es um Reichweite, Engagement, Leads oder Sales? Ohne klare Zielsetzung fehlt die Bewertungsgrundlage. Dabei gilt: Nicht jede KPI passt zu jedem Ziel. 

Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Kennzahlen im Influencer Marketing: 

KPI 

Bedeutung 

Einsatzbereich 

Reichweite / Views 

Potenzieller Sichtbarkeitswert 

Awareness-Kampagnen 

Engagement Rate 

Verhältnis von Likes, Kommentaren, Shares 

Markenbindung, Community-Stärke 

Click-Through Rate (CTR) 

Aktivierungspotenzial des Contents 

Performance-Ziele 

Conversions 

Leads, Käufe, Downloads etc. 

Abverkaufs- oder Lead-Kampagnen 

Cost per Engagement / Conversion 

Effizienzkennzahlen 

Budgetbewertung 

Tonalität & Kommentare 

Stimmung und Qualität der Interaktionen 

Image & Markensympathie 

Story Completion Rate 

Wie viel Content wird wirklich konsumiert? 

Content-Relevanz 

Transparente Kommunikation: Briefings sollten klar, aber nicht restriktiv sein. Influencer:innen wissen in der Regel selbst am besten, wie sie ihre Community aktivieren – Vertrauen und kreative Freiheit führen oft zu besseren Ergebnissen als starre Vorgaben. 

Monitoring & Analyse: Neben quantitativen Metriken sollten auch qualitative Faktoren wie die Tonalität der Kommentare, Community-Reaktionen oder wiederkehrende Fragen ausgewertet werden. Tools für Tracking-Links (UTMs), Conversion-Messung oder individuelle Rabattcodes helfen dabei, Erfolge messbar zu machen. 

Langfristig denken: Echte Partnerschaften auf Augenhöhe wirken nachhaltiger als kurzfristige Einzelaktionen. Wer regelmäßig mit passenden Influencer:innen arbeitet, profitiert von gewachsenem Vertrauen, einer glaubwürdigen Markenbindung – und langfristig besseren Ergebnissen. 

Corporate Influencer:innen: Authentizität von innen

Ein besonders spannender aktueller Trend ist der Einsatz sogenannter Corporate Influencer:innen – also Mitarbeiter:innen von Unternehmen, die in sozialen Netzwerken als Markenbotschafter:innen aktiv werden. Dabei stehen nicht Produktplatzierungen im Vordergrund, sondern Einblicke in die Unternehmenskultur, persönliche Erfahrungen und Expertise. 

 Chancen durch Corporate Influencer:innen 

  • Glaubwürdigkeit: Aussagen von echten Mitarbeiter:innen wirken oft vertrauenswürdiger als klassische Unternehmenskommunikation. 

  • Employer Branding: Besonders im Wettbewerb um Talente liefern Corporate Influencer:innen authentische Einblicke ins Unternehmen. 

  • Reichweite & Vertrauen: Persönliche Netzwerke von Mitarbeiter:innen sind häufig aktiver als reine Unternehmenskanäle. 

  • Kosten-Nutzen-Verhältnis: Interne Ressourcen werden aktiviert – ohne hohe Mediabudgets.  

Aber auch hier gilt: Struktur schlägt Aktionismus 

Ohne Strategie, Schulung und klare Guidelines kann der Einsatz von Corporate Influencer:innen schnell ins Leere laufen – oder im schlimmsten Fall kontraproduktiv wirken. Mitarbeiter:innen brauchen Freiräume, aber auch Unterstützung, z. B. in Form von Social-Media-Trainings, Textbausteinen oder rechtlichen Basics. 

 

Weitere aktuelle Trends im Influencer Marketing 

  • TikTok & Kurzform-Content: Plattformen wie TikTok verändern die Dynamik. Authentischer, schneller Content performt besser als inszenierte Perfektion. 

  • Creator Economy & Brand Deals: Influencer:innen entwickeln eigene Produkte oder Marken und agieren zunehmend als Unternehmer:innen – eine Chance für strategische Kooperationen. 

  • Live-Shopping & Social Commerce: In Asien bereits etabliert, wird auch in Europa der direkte Produktverkauf über Influencer:innen relevanter. 

  • Virtual Influencer & KI-generierter Content: Eine spannende, aber auch kontrovers diskutierte Entwicklung – gerade in Bezug auf Transparenz und Ethik. 

  • Diversität & Wertekommunikation: Die Community erwartet Haltung. Influencer:innen, die soziale Themen ansprechen, gewinnen an Relevanz.  Unternehmen, die hier nachhaltig investieren, schaffen nicht nur Sichtbarkeit, sondern stärken auch die Bindung zu ihrer Community. 

 

Fazit: Strategie statt Hype

Influencer Marketing ist kein Selbstläufer. Es bietet großes Potenzial – aber nur, wenn es strategisch geplant, authentisch umgesetzt und kritisch begleitet wird. Marken müssen lernen, die richtigen Partner:innen zu wählen, auf Augenhöhe zu kommunizieren und langfristige Beziehungen aufzubauen. Nur dann wird aus dem Hype ein nachhaltiger Marketingkanal. 

 

Sie finden das Thema Influencer Marketing für Ihre Marke oder Ihr Produkt interessant und wünschen sich professionelle Hilfe bei der Planung und Umsetzung? Wir unterstützen Sie gern – melden Sie sich bei uns! 

 

 
 
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