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  • AutorenbildArwed Barth

Vom Menschen zur Maschine – was kann generative KI?

Das Thema künstliche Intelligenz, kurz KI*, ist in aller Munde und gefühlt werden täglich neue Meilensteine und Anwendungen präsentiert. Expert:innen äußern sich und geben Empfehlungen. Neue Unternehmen entstehen und Tag für Tag kommen spannende Tools auf den Markt. Wir geben eine Einschätzung, was KI für die Agentur- und Kreativbranche bedeutet und wie wir Chancen, aber gleichermaßen auch Risiken einschätzen.


*Wenn wir in diesem Text über KI schreiben, sprechen wir immer von generativer KI.

Foto abstrakte Kunst farbige Würfel an einer Wand
Foto: lynnebook

Eines steht fest: KI wird nicht nur unsere Arbeitswelt, sondern unser gesamtes gesellschaftliches Leben revolutionieren, genauso wie einst der Buchdruck, das Telefon, die Dampfmaschine und das Internet es getan haben. Wir sehen eine große Geschwindigkeit, immer neue, bessere und schnellere Anwendungen, aber auch kritische Diskussionen, ethische und rechtliche Bedenken sowie negative Auswirkungen. Frank Thelen verglich die KI in seinem Vortrag bei der OMR 2023 in Hamburg mit der Erfindung des Messers:

Wir können damit Brot schneiden, aber auch einen Mord begehen.

Es zeigt sich ein Spektrum zwischen Tech-Hype und Skepsis. Ein Sturm der Begeisterung, aber auch der Bedenken wurde in den vergangenen Monaten durch den Hype um die schier unbegrenzten Möglichkeiten der KI entfacht, überflutete die Nachrichten und alle Social-Media-Kanäle.


Nun, da sich der aufgewirbelte Staub langsam legt, ist es an der Zeit, einen nüchternen Blick auf die Technologie zu werfen - Chancen, Risiken und Potenziale inklusive.


Dranbleiben, ausprobieren, evaluieren

Wie können wir uns aktuell einen Überblick verschaffen? Welche Tools gibt es, und wofür kann oder sollte ich sie einsetzen? Wenn über KI gesprochen wird, dann vermischen sich verschiedene Bedeutungen und Technologien: Machine Learning, semantische Suche, Chatbots, Natural Language Processing, künstliche neuronale Netzwerke und vieles mehr. Im Moment stehen vor allem die großen Sprachmodelle und die Generative AI (KI) im Rampenlicht. Sie haben die Fähigkeit, völlig neue Daten zu generieren und Dinge zu erschaffen, die es zuvor so nicht gab. Bilder, Texte, Code, 3D-Objekte – die Möglichkeiten sind grenzenlos und die Entwicklung rasant. Das zeigt sich allein in den Ereignissen der letzten zwei Wochen:


  1. Eines der bekanntesten und meistgenutzten Tools, Open AIs »ChatGPT«, bekommt Zugang zum Internet. Ein neues Paar Stiefel zum besten Preis, die nächste Urlaubsreise mit abwechslungsreichen Tagestrips oder die Einkaufsliste für die neue Woche inklusive Rezeptideen? Das alles ist nur einen Prompt entfernt. Die neue Plus-Version eröffnet völlig neue Möglichkeiten durch zahlreiche Plugins und eine neue Browsing-Funktion.

  2. Microsoft bietet mit »Copilot« einen KI-Helfer in Office 365 Apps an. Er automatisiert Aufgaben wie Zusammenfassungen von E-Mail-Konversationen, Textformatierung und Erstellung von PowerPoint-Präsentationen. Die natürliche Sprache soll so zum echten Produktivitätstool werden und die Mensch-Maschine-Schnittstelle auf die nächste Stufe heben.

  3. Mit der neuen Google Search hat das Unternehmen zuletzt eine Funktion vorgestellt, die auf generative KI zurückgreift. Sie ermöglicht nicht nur die Suche nach vorhandenen Informationen, sondern generiert, sortiert und verknüpft auch maßgeschneiderte Ergebnisse in Echtzeit. Stell dir vor, du suchst nach einem Kleid für eine Outdoor-Hochzeit in Miami mit schneller Lieferzeit – die Suchergebnisse werden frisch generiert und enthalten Empfehlungen sowie Shopping-Links. Fast wie ein persönlicher Assistent, der in Sekundenschnelle die Recherche-Arbeit von Tagen erledigt.

Selbst wenn wir nur auf diesen kleineren Teilbereich innerhalb der KI-Anwendungen schauen, ist es schwer der rasanten Entwicklung von Sprachmodellen und generativer KI zu folgen. Aber es lohnt sich! Unsere Empfehlung: Dranbleiben, ausprobieren, evaluieren, um dann im richtigen Moment das Tool der Wahl schnell einsetzen zu können. Es ist eben nicht nur wichtig zu wissen was, sondern auch zu wissen wie. Konsens auf dem Branchen-Festival OMR 2023 war:

KI wird deinen Job nicht ersetzen, sondern jemand, der mit KI umgehen kann.

Foto Nahaufnahme Laptop
Foto: doodiebearz

Eine Quelle der Inspiration

Wir Menschen sind kreativ. Wir erfinden, lösen und erschaffen. Und nun gibt es plötzlich eine Maschine, die behauptet, dasselbe zu können? Tatsächlich wissen wir, dass dies eher eine oberflächliche Behauptung ist. Denn die Basis der Modelle ist die Kreativität des Menschen. KI-Generiertes beruht auf vom Menschen geschaffenen Output. Die produzierten Ergebnisse könnten wir also als hochwertige Remixe betrachten.


Dennoch kann generative KI einen bedeutenden Beitrag leisten, indem sie vor allem Kreation für mehr Menschen zugänglich macht. Bisher waren komplexe Werkzeuge erforderlich, um beispielsweise Illustrationen oder 3D-Renderings zu erstellen. Mit generativer KI wird diese Hürde kleiner. Denkbar sind sogar völlig neue Medienformate, wie personalisierte Filme, die in Echtzeit entstehen. Anfänge sehen wir bei IBMs Lösung für Golf-Sportberichte, bei denen kurze Clips durch Text-to-Speech KI einen individuellen Kommentar bekommen.


Generative KI kann uns auch dabei helfen, Blockaden zu überwinden und so den kreativen Prozess unterstützen. Denn manchmal haben auch Texter:innen oder Designer:innen Schwierigkeiten, den Ausgangspunkt zu finden oder ihre Arbeiten zu vollenden. Wenn der Schaffensprozess ins Stocken kommt, kann uns die KI als kreativer Sparringspartner dienen und zu außergewöhnlichen Ideen führen. Allerdings ist immer Vorsicht geboten, da die Modelle der KI dazu neigen, bestimmte Vorurteile zu reproduzieren und uns in eine selbstreferenzielle Spirale einzuschränken. Ein gutes Beispiel dafür ist das »American Smile«, das in generierten Bildern häufig auftaucht


Generative KI hat definitiv das Potenzial, die Hürden zur Kreativität abzubauen. Dennoch liegen ihre Stärken vorerst in handwerklich soliden Outputs wie FAQs und Zusammenfassungen, die wenig mitreißend daherkommen. Sie erfasst noch nicht das zielgerichtete Spiel mit Assoziationen und tieferen Bedeutungsebenen.


Produktivitäts-Boost dank KI

Generative AI ist laut Bill Gates in erster Linie als Produktivitätstool zu betrachten. Es kombiniert Kreativität und Inspiration, aber die wahre Stärke liegt darin, Aufgaben schneller und effizienter zu erledigen. Es ist wie ein persönlicher Assistent auf Steroiden – Karl Klammer 2.0. Die Zahlen sprechen für sich: Eine Studie des MIT zeigt eine beeindruckende Produktivitätssteigerung von 35% bei gut ausgebildeten Fachkräften in Bereichen wie Verwaltung, Marketing, Personalwesen und Beratung.



Mockup Laptop mit generative AI Tool zur erstellung von Texten

Die generative KI bietet die perfekte Chance, wiederkehrende und wenig inspirierende Aufgaben an Maschinen zu übergeben. Ähnlich wie Roboter in der Produktion repetitive Fließbandarbeit übernommen haben, tritt dies nun auch in unserer Branche auf. Denn nicht alle Aufgaben erfordern Kreativität – manchmal geht es auch darum, Dinge abzuarbeiten. KI ist ein unschätzbarer Helfer bei standardisierten Textformaten wie Kurzmeldungen und Anschreiben. Sie unterstützt uns auch bei FAQs, beim Coding, bei der Erstellung von Webseiten oder Mindmaps oder bei der Übersetzung komplexer Fachtexte.


Zwischen Sicherheit, Moral und Wahrheit

Wo Licht ist, ist immer auch Schatten. Neben aller Euphorie ist aber auch ein kritischer Blick auf die rasante Entwicklung künstlicher Intelligenz notwendig. Wenn KI tatsächlich DIE disruptive Technologierevolution ist, die alle Lebensbereiche umfassen und verändern wird, dann sind Werte wie Unabhängigkeit, Zugänglichkeit und Gemeinwohlorientierung Pflichtprogramm. Der Deutsche Ethikrat betont, dass KI die menschliche Entfaltung fördern sollte und diskutiert Themen wie Privatsphäre und Minderheitenschutz. Forscher:innen und Branchenexpert:innen fordern eine Pause in der KI-Entwicklung für mehr Sicherheit, Regulierung und Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Auswirkungen.


Auch wenn KI beeindruckende Leistungen erbringt, basiert sie auf Wahrscheinlichkeiten ohne echtem Verständnis. Daher kann KI ohne Fact-Checking Unwahrheiten produzieren und wird im schlimmsten Fall auch absichtlich zur Erzeugung von Fake News und Deepfakes eingesetzt werden.


Generative AI hat das Potenzial, die Arbeitsweise von Unternehmen zu revolutionieren und bietet eine Reihe von spannenden Möglichkeiten. Sie birgt jedoch auch gewisse Risiken, die vor dem Einsatz dieser Technologie bedacht werden müssen.




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